Warum die Corona-Warn-App jetzt immer wichtiger wird?

Aktualisiert: Nov 22


Quelle: https://www.bundesregierung.de/resource/image/1754754/hero_desktop/1170/585/d2dbc0850dc8bd61e0261c336b3d0c8f/ht/kampagnenmotiv-de.jpg (Zugriff am 27.10.2020)


Uns allen sollte daran gelegen sein, das individuelle Risiko zu minimieren und trotzdem Normalität zu erhalten.


Dann könnte es uns allen gesundheitlich und finanziell besser gehen und wir könnten das Thema schon bald mal etwas sorgloser betrachten. Politik kann in einer Demokratie immer nur auf unser Verhalten, bzw. nicht Verhalten reagieren.


Bei diesem pandemischen Virus passieren Infektionen aber heute, die sich dann erst in durchschnittlich 7-10 Tagen als Symptome und nach 14 Tagen im Infektionszahlenkurvenverlauf der Meldezahlen zeigen. Würde Politik ihr Handeln an den Todeszahlen ausrichten, wäre seit der Infektion ein weiterer Monat vergangen. Ein Monat in dem sich das Virus zusätzlich ungebremst ausbreiten könnte. Es war unser Glück, dass wir diesen Monat mehr Zeit hatten, da wir zum einen durch Bilder aus aller Welt auch im privaten vorgewarnt waren und ein etwas größeres Gesundheitssystem als Puffer hatten. Zeit ist also ein sehr wichtiger Faktor.


Das muss man Wissen, wenn man die Wirkung und Intention politischer Maßnahmen beurteilen oder nachvollziehen will. Es werden in jedem Fall 14 Tage bis zu einer Kurvenverlaufänderung vergehen und mindestens 4 Wochen bis nach einem sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen auch die Todeszahlen kurzzeitig sprunghaft ansteigen.


Das ist der Grund, weshalb Einschränkungen schnell und für viele überraschend kommen und Lockerungen nur langsam beschlossen werden können, schließlich sieht man ja zu jedem Zeitpunkt nur 14 Tage alte Zahlen und muss sicher gehen, dass der beobachtete Trend auch mindestens 14 Tage anhält.

Wenn man den R-Wert permanent mit im Auge behält sieht man aber, dass wir Anfang März mit einem R-Wert von 3 im Schnitt je Infizierten, drei neue Infizierte hatten. Damals gab es auch keine konsequent und flächendeckend umgesetzten Abstandsregeln, auch wenn diese bereits Wochen zuvor vom Bundesministerium für Gesundheit empfohlen wurden.


Vor dem letzten "Lockdown" hatten wir also einen R-Wert von 3, der, weil viele das Ausmaß der Pandemie schon ein zwei Tage vor dem Lockdown erahnten (gespürt haben wir es sicher alle in irgendeiner Form), rapide auf ca. 0,8 viel. Danach mit zunehmender Lockerung bei gleichzeitiger maximaler Prävention zunächst leicht unter eins blieb (das Virus war auf dem Rückzug) und seit Juli etwas über 1 lag. Dieser Anstieg über 1 reicht aber schon aus, um Kontaktnachverfolgung immer schwerer zu machen und so den R-Wert absehbar in die Höhe zu treiben, weil Gesundheitsämter überlastet werden und im vergleich zum Virus auf ein sehr viel erschöpflicheres Potential an Vermehrung - im Hinblick auf Personal und Effizienz - zurückgreifen können. Auch wenn wir das Niveau von 3 mit Sicherheit nicht mehr erreichen werden, so kauft uns ein niedrigerer R-Wert, der trotzdem über 1 liegt lediglich etwas mehr Zeit, bis uns die Sache über den Kopf zu wachsen droht und der nächste Teil-"Lockdown" nötig wird. Um ehrlich zu sein, waren wir nie wirklich in einem (angeordneten) Lockdown, aber zur Realität gehört auch, dass wir nie bei einer vollen Öffnung der Gesellschaft waren und viele Branchen und die dort arbeitenden Menschen (Veranstaltungen, Messen, Nachtgastronomie) noch lange keinen Grund zu Optimismus haben, was sich mitunter in der Querdenken-Bewegung Bahn brach und bricht.

Ist das denn nie zu Ende? Je erfolgreicher wir das Virus eindämmen, desto länger bleibt es uns erhalten, es fühlt sich aber immer ungefährlicher und damit "normaler" an. Die Gesamtinfektionszahlen und damit die Durchseuchung liegen erfreulicherweise noch auf einem sehr niedrigen Niveau, sind jetzt allerdings breiter aufs Land gestreut, weshalb auch ein niedrigerer R-Wert, der nur wenig über 1 liegt scheinbar schnell zu hohen Infektionszahlen führen kann. Wir nutzen die Zeit aber auch immer besser, um einen Umgang mit dem Virus in allen gesellschaftlichen Bereichen zu finden.


Exkurs: Systemische Betrachtung


Wenn man Demokratie als System versteht, das immer so viel Freiheit zulässt, wie gerade Möglich ist, dann bewegen wir uns in Wellenform gesellschaftlicher Öffnung entgegen und pendeln uns langsam auf den Virus R-Wert 1 ein (wie es heute bei der Influenza der Fall ist, einem mutierten Nachfahren der Spanischen Grippe, also der letzten großen Pandemie). Da es uns gelungen ist bei der ersten Welle unterhalb der Überlastungsgrenze des Gesundheitssystems zu bleiben, handelt es sich um eine nicht überschwingende Hysterese (ein Begriff aus der Regelungstechnik). Das ist kein Selbstläufer und keine Garantie, dass alles "gut" wird, aber es ermöglicht doch deutlich mehr Optimismus als in anderen Demokratien, wo man dieses Selbstvertrauen zur Beherrschung der Situation nicht erlernt hat und entsprechend die Reaktanz gegenüber politischen Reaktionen auf das Infektionsgeschehen heftiger ausfallen und somit die Viruseindämmung schwieriger gestalten dürfte. Jede neue Infektionswelle gleicht einem (immer kleiner werdenden) Blitzeinschlag, der über die sozialen Systeme (Familie, soziale Kassen, Kirchen/Religion) abgefangen werden muss und natürlich enorme Schäden verursacht. Das föderale System in Deutschland ist ein sehr effektiver Blitzableiter, aber auch das hat seine Grenzen. Wir haben also alle Chancen trotz minimaler Todesopfer für Pandemieverhältnisse auch minimalen wirtschaftlichen Schaden zu nehmen. Das erfordert aber auch, dass man erkennt, dass man selber positiv auf den Verlauf der Dinge einwirken kann, wenn man (weiterhin) konstruktiv und lösungsorientiert denkt.


Wie kommen wir dauerhaft auf einen Wert unter 1, so dass das Virus sich zurückzieht und wir "Normalität" erhalten? Wenn wir nicht komplett alle unsere Ideologien und Weltanschauungen bzw. Feindbilder (die jeder von uns hat) über Bord werfen (also das was breite Solidarität von uns verlangt), dann bleibt nur die Kontaktnachverfolgung und Warnung von Risikokontakten, damit Infektionsketten unterbrochen werden und damit der global auf Deutschland betrachtete Infektionsstreifen an seinen Rändern immer wieder gekappt wird und so die aufsummierten Infektionszahlen eine mehr oder weniger gerade Linie ergeben. Warum ist das so? Weil wir als Menschen dazu neigen in Problemsituationen die Schuld zunächst nicht bei uns selbst zu suchen, sondern lieber die Schuld auf einen Sündenbock oder eben Feindbilder übertragen. In einer Pandemie funktioniert das nur begrenzt, denn Epidemiologie betrifft das ganze Volk und sein Verhalten als Kollektiv begünstigt oder minimiert die Virusausbreitung. Schuld sind also immer alle Gleichermaßen. Es gibt einfach unterschiedliche Betroffenheit und auch unterschiedliche mentale und finanzielle Kapazitäten sich konstruktiv dem Virus zu stellen. Bewusste oder unbewusste Feindbilder können Politiker, Parteien, Chefs, Eliten, Minderheiten, Arbeitskollegen, Familienmitglieder, Altersgruppen, Nachbarn,... sein. Die meisten Probleme mit diesen Feindbildern ließen sich durch offene, ehrliche und respektvolle Kommunikation lösen, Kommunikation die in Pandemiezeiten besonders beeinträchtigt ist.




In China, aber auch Korea und anderen asiatischen Staaten, die Erfahrung im Umgang mit Sars1 haben, ist das Virus dank Apps auf dem Rückzug und gilt als "unter Kontrolle" (deren Regierung sagt: besiegt). Hier bei uns setzen wir auf Freiwilligkeit und führen Debatten über massive Kontrollmechanismen mit all ihren gesellschaftlichen Auswirkungen und vergessen wie schon zuletzt im Februar, was eine naheliegende Lösung für das Problem wäre und die auch heute schon verfügbar ist. Damals waren es die AHA-Regeln, die beim Hamstern vergessen wurden und heute ist es die Tatsache, dass wir mitlerweile eine Tracing-App haben, die das Problem der Überlastung der Kontaktnachverfolgung für uns lösen könnte.

Nachtrag (10.11.2020): Auch Finnland hat mit seinen 5 Mio. Einwohnern die Pandemie dank 2,5 Mio Appnutzern und weiteren Maßnahmen unter Kontrolle.


Klar wird man negative Medienberichte zur App finden, denn natürlich ist auch diese wie jedes neue System nicht perfekt, aber man muss auch verstehen, dass die Wirkungskraft der App auch stark mit der Anzahl der Nutzer und wie diese die App nutzen zusammenhängt. Man sollte auch berücksichtigen, dass Medien die Aufgabe haben, staatliches Handeln (wobei es sich indiesem Fall um ein open source Projekt handelt, d.h. jeder der möchte, kann zur Verbesserung der App beitragen) zu kritisieren. Das wird die App immer besser machen, aber es sollte uns nicht davon abhalten sie überhaupt zu nutzen.

Bei einem Virus R-Wert von 3 müssen 2 von 3 Infektionen verhindert werden, die in der alten Normalität passiert sind, um das Beherrschbare Level von 1 zu erreichen. Je gezielter desto "normaler" für den Rest der Gesellschaft. Das entspricht einer Infektionsreduktion von 66%. Da das Virus leider auch ohne Symptome übertragbar ist, müssen 66% der Deutschen jederzeit bei ihrer täglichen zu einer Infektion fähigen Interaktion präventive Maßnahmen ergreifen oder aber 66% müssen die App wie vorgesehen nutzen und nutzen können. Die App schützt so, genau wie die Masken, indirekt. Das heißt Eigenschutz wird durch Fremdschutz erhöht. Werden andere gewarnt, dass sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten, bevor sie innerhalb der Inkubationszeit von 5-6 Tagen (bzw. 4 Tage, da man kurz vor Ablauf der Inkubationszeit ansteckend werden kann) für mich (auch als nicht-Appnutzer möglich) ansteckend werden, bin ich geschützt. Also spielt auch hier Zeit eine enorm wichtige Rolle.


Die Chance die darin verborgen liegt ist, dass mit einer ausreichenden App-Nutzungsquote auch wieder mehr Kontakt möglich werden würde, da die App sehr zielgerichtet funktioniert. Größere Veranstaltungen, Kultur, Seelsorge, Gottesdienste, Gastronomie wären theoretisch nach einer Übergangsphase wieder mit weniger Einschränkungen möglich. Denn die meisten von uns sind ja nicht infiziert und kerngesund und wir wollen alle, dass das auch so bleibt. Ohne App-Schutz wird all das vor einem Impfstoff kaum oder nur mit enormen konstruktivem Aufwand möglich sein und je länger es dauert, desto mehr alte Normalität geht unwiderruflich verloren. Die Tatsache, dass dieser Bruchteil, der das Virus bereits hat/hatte unser Gesundheitswesen so schnell und so leicht an seine Grenzen bringen kann, zeigt auch, dass wir solange das Virus da ist, nicht zu nachlässig werden dürfen, was unseren Präventionsmix angeht.


Die gute Nachricht: Nutzen können, könnten die App 85% der knapp 58 Mio. deutschen Smartphonebesitzer, da sie ein fähiges Smartphone besitzen. Das sind immerhin ca. 59% der Bevölkerung. Die schlechte Nachricht: nur etwas über 20% haben sie auch geladen und nur ca. 20% der Bevölkerung nutzen sie auch so, dass sie ihr Testergebnis in die App einpflegen und gerade bei den positiven Ergebnissen sind es nur 60% dieser 20% der Bevölkerung, die das dann auch machen, weshalb ich diesesn Artikel hier schreibe.


Wir haben extra deutlich mehr Geld in die Entwicklung der App gesteckt, um Datensicherheit und gernerelle Sicherheit der App zu maximieren und damit die Nachteile, die das Verlassen auf ein technisches System mit sich bringt zu minimieren. Außerdem garantiert die App durch den dezentralen Ansatz (alle Kontaktdaten werden verschlüsselt auf meinem Gerät gespeichert) ein Höchstmaß an Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit und ich entscheide, ob ich sie installiere, anmache oder Warnungen weitergebe. Das ist ein Ansatz des maximalen Vertrauens und der Hoffnung, dass wir uns selber aus Überzeugung dafür entscheiden zu können uns auch entscheiden werden, solidarisch zu sein oder auch eine neuen Technologie auszuprobieren. Das macht die App bis heute die erfolgreichste in Europa und Stand heute (31.10.2020) wurden bereits 18126 positive Testergebnisse in die App eingepflegt. Bei dem im Frühjahr beobachteten R-Wert von 3 sind das über 54.000 potentiell unterbrochene Infektionsketten.


WICHTIG: Die App wird erst voll wirksam, wenn dein Umfeld auch zu 66% die App nutzt. Sie ersetzt daher nicht sofort andere Präventionsmaßnahmen wie das Tragen einer Maske, wo es eng wird oder das generelle Abstand halten. Allerdings können diese Maßnahmen allmählich politisch zurückgenommen werden, wenn wir bewiesen haben, dass wir die App für eine gewisse Zeit freiwillig auch im ausreichenden Umfang nutzen.


Daher mein Plädoyier für die App. Wer sie noch nicht hat, sollte sich noch einmal fragen, ob es für ihn/sie verhältnismäßige Mittel und Wege gibt, sich doch noch dafür zu entscheiden. Alles andere ist das Bekämpfen von Symptomen.

Mehr Normalität könnte dann nur noch ein wirksamer Impfstoff bieten, wenn wir einen finden und wenn wir dann überhaupt noch einen brauchen?


App-fähige Handys aus deutscher Produktion gibts ab 50 € z-B.: https://www.mediamarkt.de/de/product/_gigaset-gs100-8-gb-graphite-grey-dual-sim-2459801.html (bitte noch einmal beim Hersteller/Händler vergewissern, ob ich mich da nicht vertan habe)


Infos und Zahlen zur App gibt es hier: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/corona-warn-app

und hier:

https://www.coronawarn.app/de/blog/



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